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Wieder daheim

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Samstag Abend um halb Zehn rolle ich mit dem Fahrrad wieder in den heimischen Reihenhausvorgarten. Die Fahrt mit dem Rad in der Bahn dauert knapp über 12 Stunden. Schon beim Einsteigen die bange Frage, ob das Fahrrad noch mit rein kann. Der Zug hat genau zwei Plätze für Fahrräder, und die sind schon belegt. Einer der erfahreren französischen Radmitnehmer meinte, ich solle es einfach in den Gang stellen. "Ça gêne pas." Eine gewisse Beruhigung, als der Zug schließlich anrollt und noch niemand verlangt hat, das Rad wieder hinauszustellen. Obwohl der Zug bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Nach einer halben Stunde bekommt die junge Zugschefin den Drang, für Ordnung zu sorgen. Die Fahrräder müssen in der Reihenfolge der Zielbahnhöfe an den Platz gelehnt werden. Da ich als letzter aussteige, kommt mein Fahrrad als erstes dran. Am Ende stehen vier Räder, wo Platz für zwei ist, und ich kann beruhigt die Fahrt genießen. Vier Stunden durch die französische Landschaft, die sich am …

Ein entspannter Tag in Paris

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Eine Affengaudi, ohne Gepäck mit E-Bike durch Paris fahren. Man hat ordentlich Antritt und kommt an den Ampeln vor den Autos vom Fleck. Und man lernt schnell, dass Platz nur bekommt, wer Platz beansprucht. Heute Morgen im Center Pompidou. Hier war ich um 1980 als Schüler schon mal. Da war das noch neu und vom Konzept revolutionär. Heute wirkt es wie jeder andere Betonklotz aus den Siebzigern. Wer die Unis in Bochum, Bielefeld oder Aachen kennt, ist das gewöhnt. Die Sammlung der Moderne ist aber wirklich beeindruckend. Leider war die Dachterrasse gesperrt.Danach einfach ein bisschen durch die City fahren und in den Tuillerien abhängen.Morgen kommt die echte Challenge: Zurück mit der Bahn. Ausschließlich Regionalzüge, sonst kommt das Rad nicht rein. Von Paris nach Mulhouse, dann nach Basel (Schweizer Bahnhof), mit dem Rad zum badischen Bahnhof, dann mit dem Regionalexpress nach Singen am Hohentwiel, dort umsteigen nach Stuttgart und schließlich mit einem Regionalexpress nach Nürnberg. W…

Voilà, Paris!

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Geschafft. 885 km. 7 Tage.

Reims und Champagne

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Heute war ein Regentag. Zum Frühstück im Garten des b&b hörten wir schon Donnergrollen, der Wetterbericht kündigte einen kräftigen Regenguss an, danach sollte es aber trocken bleiben. Also bin ich noch eine Weile geblieben und erst kurz vor neun gestartet.
Der Regenguss entpuppte sich als Sommerschauer, wenn das alles war kann ja nichts mehr passieren. War es aber nicht. Nach einer Stunde die immergleiche gleiche Frage: Lohnt es, das Regenzeug auszupacken? Es lohnte. Kaum hatte ich die letzte Gamasche festgeklettet, ging der Tröpfelregen in einen Wolkenbruch über. Den letzten Ort hatte ich gerade hinter mir gelassen, ich war auf offenem Feld. Ein Militärkonvoi auf der Gegenfahrbahn, die LKW schütten noch einmal echte Regenwellen über einen aus. Aber nach einr halben Stunde wieder alles vorbei. Regenzeug wieder aus und weiter. Den nächsten Schauer konnte ich in einem Café aussitzen. Mittags um eins erreiche ich Reims. Das letzte Stück entlang des Aisne-Marne-Kanals.
Aufladen beim…

Verdun

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Der Start in Thionville war gespenstisch. Über der Mosel und in den Seitentälern hing der Nebel klebrig an den Häusern und über der Straße, der Weg führt zwischen Güterbahnsträngen und verlassenen Industriehallen, nirgends ein Mensch zu sehen. Dann vorbei an den Stahlwerken von Arcelor-Mittal, der Duft von Metall in der Luft. Nach einer Stunde habe ich Stadt und Nebel hinter mir und schaue über weite Landschaft in der Morgensonne. Gestern noch in Schengen, Symbol des "neuen" Europa, in  dem wir aufgewachsen sind. Heute Verdun. Die Schlachtfelder über der Maas stehen für das Europa unserer Großeltern. Meine beiden Großväter haben in diesem Krieg vor 100 Jahren gekämpft - so lange ist 100 Jahre also nicht her. Dieser Besuch macht wieder deutlich, wie wichtig es ist, unser Europa gegen den wieder aufstrebenden Nationalismus zu verteidigen.




Unweit der Gedänkstätte gibt es ein Restaurant, wo ich herrliches "Falsches Filet" gegessen habe. In Frankreich häufiger auf der …

Thionville

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Nach der Kräftezehrenden Tour de Saar lasse ich den vierten Tag ruhiger ausklingen und radele noch dreißig Kilometer entlang der Mosel nach Thionville. Die Stadt hat nichts Spektakuläres, immerhin finde ich ein Restaurant für ein ausgezeichnetes Steak und einen guten Rotwein. Eigentlich wollte ich die Industriestadt in einiger Entfernung umfahren, aber Google findet auf dem platten Land keine Übernachtungsmöglichkeiten. Das wird wohl eine Herausforderung für die kommenden drei Etappen.
Für die Statistik: 5,5 Stunden, 102 km.

Grenzerfahrungen

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Schengen gebührt als europäischem Symbol ein fester Platz auf der Route. Hier gibt es zwar nichts zu sehen, aber trotzdem erfreut sich der Ort einiger Beliebtheit unter Touristen. Auf dem Platz vor dem europäischen Museum wehen die Fahnen aller Schengen-Staaten und wenn man sieht, vor welchen davon sich die Besucher fotografieren, dann muss der Ort schon eine Bedeutung für die Menschen haben. Schengen-weit eben. Außer diesem Platz und dem Museum gibt es aber nichts - nicht mal ein gescheites Gasthaus. Die Ausstellung im "Museum" hat man in fünf Minuten erledigt - lauter Vitrinen mit Erklärungen zum Einigungsprozess. Bleibt noch das Museumscafé, wo es wenigstens einen guten Kuchen gibt.

Der Start heute Morgen war etwas holprig. Der erste Blick aus dem Fenster bot eine regennasse Straße. Nach dem Frühstück setze ich den Akku ein und staune nicht schlecht, als das Display ganze zwei Striche für schlappe 20-40 Prozent Akkuladung anzeigte. Akku raus, Akku rein - nichts geän…